Düsseldorf. Bei der Suche nach einem neuen Regierungsbündnis in Nordrhein-Westfalen nach den Landtagswahlen verschärft sich der Ton unter den Parteien. Der SPD-Bundesvorsitzende Siegmar Gabriel nannte das Nein der FDP zu Gesprächen über eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen einen «ausgemachten Skandal». Der «geheime Plan» der Liberalen sei es, dass sie SPD und Grüne in eine Koalition mit der Linkspartei drängen wollten, zeigte sich Gabriel überzeugt.
«Diejenigen, die die Linkspartei am lautesten beschimpfen, wünschen sie sich in der Düsseldorfer Regierung - frei nach dem Motto: Dann können wir zur Bundestagswahl eine schöne Kampagne gegen Rot-Rot-Grün führen», sagte er am Samstag.
Unterdessen machte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer die FPD für die Wahlniederlage von Schwarz-Gelb in NRW verantwortlich. Mit der vom FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle angestoßenen «Sozialstaatsdebatte» habe man vor allem dem linken Spektrum einen Gefallen getan. «Das war Mobilisierung der politischen Gegner», sagte Seehofer. CDU und FDP hätten in Düsseldorf «aus einer sicheren Position heraus verloren».
Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, machte sich für ein rot-rot-grünes Bündnis in Nordrhein-Westfalen stark. Die SPD müsse jetzt ernsthaft die Möglichkeit einer solchen Koalition prüfen. «Die SPD darf jetzt keine Showgespräche führen, nur um die Zeit bis zu einer Großen Koalition zu überbrücken. NRW braucht jetzt einen Innovationsschub, der ist mit einer Großen Koalition nicht zu machen», sagte Künast.
Die Bereitschaft seiner Partei für Rot-Rot-Grün in NRW signalisierte auch der scheidende Linke-Parteichef Oskar Lafontaine. Er machte für ein solches Bündnis aber zur Bedingung, dass der Sozialabbau über den Bundesrat gestoppt werde. Mit dem Einzug der Linken in den NRW-Landtag sei das Fünfparteiensystem in Deutschland etabliert, zeigte sich Lafontaine überzeugt.
Dagegen warb die NRW-CDU für eine rot-schwarze Allianz unter Führung des amtierenden Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. «Wir müssen alles tun, damit Rüttgers in der Staatskanzlei bleibt», sagte Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann. Die CDU sei aus der Wahl als «stärkste Partei» hervorgegangen, weshalb Hannelore Kraft keinen Anspruch auf das Amt der Ministerpräsidentin habe.
Doch im Hintergrund formieren sich nach Informationen des Magazins «Focus» bereits die Nachfolgekandidaten des angeschlagenen Regierungschefs, dessen Partei bei der Wahl rund zehn Prozent der Stimmen verlor. Am Ende könnte Familienminister Armin Laschet, Sozialminister Laumann oder CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid in die Staatskanzlei einziehen. Ein Insider sagte: «Alle drei wollen gern.» Krautscheid habe eindeutig die besten Chancen.
Quelle: an-online.de, 15.05.2010
Kommentar von Peter Wagner:
Im Gegensatz zur SPD, inbesondere Frau Kraft, die sich bis zum Schluss nicht klar von den Linken distanzieren wollte, hat die FDP bereits VOR der Wahl eine klare Koalitionsaussage, nämlich pro CDU getroffen. Zu einer Koalition mit den Grünen hat sich die gesamte FDP-Basis dagegen ausgesprochen. Auch dies bereits VOR der Wahl. Keine Ahnung was Herrn Gabriel dazu bewegt solch eine Aussage zu treffen aber ein schöner Beweis dafür, dass die SPD mal wieder nicht zugehört hat. Wenn die SPD ihren Wählen genauso zuhört, ja dann bin ich mal sehr gespannt, was da noch kommen mag.
Faszinierend ist auch, dass sich die SPD nun wie ein Verzweifelter im Treibsand verhält. Die Strategie- und Machtspielchen sind nicht so aufgegangen wie erhofft. Die CDU hat immer noch ein paar Stimmen mehr und würde damit bei einer großen Koalition den Ministerpräsidenten stellen. Hier zeigt Frau Kraft ihre wirkliche Machtgier. Lieber eine unliebsame Koalition, als das Amt des Ministerpräsidenten freizugeben. Das kleinere Übel aus Sicht der SPD ist die Ampel. Dagegen hat sich die FDP aber schon vorher ausgesprochen und so bleibt nur noch Rot-Rot-Grün. Empört mit dem Finger auf die FDP zeigen, überrascht tun und dann doch diese Koalition eingehen, die nie so wirklich ausgeschlossen wurde. Und das nur um den Machthunger der SDP zu stillen. Da sieht man sehr schön wo die wirklichen Prioritäten liegen. Das Wohl des Bürgers steht dabei ganz offensichtlich nur sekundär eine Rolle.
Wir dürfen gespannt sein mit welchen Winkelzügen die SPD noch versuchen wird ihren wundroten Hals aus der Schlinge zu ziehen.