Ein Grundbetrag von 359 Euro ist nicht viel. Naja, es hört sich zunächst einmal nicht nach viel an. In Wirklichkeit jedoch ist dies ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die für weniger Geld jeden Tag hart arbeiten.
Nehmen wir doch mal eine typsich deutsche Famile. Da bekommt jeder Elternteil 323 Euro, dazu noch ein Kind bis 6 Jahre mit 215 Euro und ein weiteres Kind unter 14 mit 251 Euro. So kommen wir auf einen Gesamtbetrag von 1.112 Euro. Grundsätzlich für eine vierköpfige Familie nicht gerade üppig. Aber bedenken wir folgendes: Das ist netto für den täglichen Bedarf! Das sind pro Tag satte 37 Euro, die für Essen und Pflege ausgegeben werden können. Wohnung, Nebenkosten, Grundeinrichtung, etc. werden vom Amt bezahlt. Die Nebenkosten fallen zu hoch aus: Das Amt bezahlt. Der Kühlschrank geht kaputt: Das Amt bezahlt. Das Kind fährt auf Klassenfahrt: Das Amt bezahlt. Dieses Geld ist also wirklich personenbezogen für den täglichen Bedarf, nicht mehr. Rechnet man sich einmal aus was eine Hartz IV Familie tatsächlich jeden Monat erhält, kommt man sehr oft auf einen Betrag, der weit höher liegt als das, was eine Familie zur Verfügung hat, die ihren Unterhalt mit Arbeit bestreitet.
Nehmen wir hier die gleiche Familie, der Vater als Facharbeiter mit einem Stundenlohn von 15 Euro, dazu die Frau, die halbtags noch auf Minijob-Basis arbeiten geht. Mit einem sich daraus ergebenden Bruttolohn von ca. 2.800 erreicht man netto ca. 2.200 Euro. Ziehen wir nun davon die 1.100 Euro, wie auch für die Hartz IV Familie berechnet, ab, bleiben noch 1.100 Euro übrig. Davon muss die Familie dann aber alles andere selbst bestreiten. 600-700 Euro für eine Wohnung inkl. aller Nebenkosten dürften durchaus angemessen sein, von den restlichen 400-500 Euro muss dann der Rest wie Kleidung, Küchengeräte und auch das Verkehrsmittel, mit welchem man zur Arbeit kommen muss, welches auch immer das sein mag, finanziert werden. Vielleicht ist das auch eine sparsame Familie, die es dann schafft auch noch Geld für einen Urlaub zu sparen. Ein Urlaub, den sie sich verdient haben!
Wenn wir also nun bedenken, dass es Menschen gibt, die für die Grundbeträge von Hartz IV hart arbeiten, es Menschen gibt, die mit Arbeit nicht einmal diesen Satz erhalten, dann denke ich, dass die Sätze hoch genug sind. Mit 37 Euro am Tag bekommt man eine Familie mehr als satt. Zum einen haben die Menschen die Hartz IV empfangen mehr Zeit und benötigen nicht unbedingt teure Fertigprodukte. Da muss der Weißkohlsalat nicht aus der Packung für ein vielfaches des Preises der Grundzutaten kommen und die Frittenbude muss auch nicht regelmäßig besucht werden. Mit etwas Verstand und Zeit ist es ein Einfaches für dieses Geld eine Familie satt zu bekommen. Zum zweiten ist es schon eine Frechheit, dass in dem Warenkorb, welcher dem Grundbetrag zu Grunde liegt, so etwas wie Bier, Wein und Zigaretten enthalten sind.
Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Es ist durchaus in Ordnung, dass es Unterstützung für Menschen gibt, denen es im Moment finanziell nicht so gut geht. Aber diese Unterstützung ist dazu da, um die Menschen am Leben zu erhalten, um ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben weiterhin zu ermöglichen. Dadurch, dass sie den täglichen Bedarf ihres Lebens bezahlt bekommen, bleibt ihnen Zeit und der Kopf frei, um sich wieder darum zu kümmern, auf der gesellschaftlichen Leiter, die es nun einmal gibt, wieder eine Sprosse nach oben zu klettern. Es ist in Ordnung, dass Menschen die arbeitslos werden und bisher einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft geleistet haben nicht fallengelassen, sondern unterstützt werden. Es ist in Ordnung, wenn ein älterer Mensch, der bereits 35 harte Arbeitsjahre hinter sich hat und mit 61 in der Arbeitswelt kaum noch Aussicht auf Erfolg hat die vier Jahre bis zur Rente unterstützt wird.
Es ist allerdings nicht in Ordnung, wenn Menschen schon fest damit rechnen vom Staat durchfinanziert zu werden. Diese Unterstützung ist nicht dazu da, um faulen Menschen ihren Lebensunterhalt für immer zu finanzieren. Dieses Geld dient zur Grundfinanzierung des persönlichen Haushaltes (und dazu reicht es bei weitem aus!) und nicht, um einen hohen Lebensstandard zu erhalten, für den andere hart arbeiten müssen. Provokant ausgedrückt dient diese Unterstützung dazu Menschen am Leben zu erhalten und nicht noch Luxus zu finanzieren. Und wer jetzt denkt, dass mit diesen Beiträgen kein Luxus möglich ist: Was ist mit Bier und Zigaretten? Wenn man nichts verdient, kein Geld in der Tasche hat, dann sind Zigaretten, die man wahrlich nicht zum täglichen Überleben braucht, durchaus ein Luxus.
Es ist nachvollziehbar, dass da einige überlegen nicht mehr zu arbeiten. Schließlich erhält man ja vom Staat das gleiche Geld, ohne jeden Morgen aufstehen zu müssen. Wie gesagt, das kann ich nachvollziehen. Verständnis habe ich dafür jedoch nicht. Wer so denkt lebt eine Mentalität aus, die alle schlechten Charakterzüge in den Vordergrund bringt. Wer so denkt hat Ehrgeiz, Ehrgefühl und gesellschaftlich orientiertes Denken abgelegt. Wer so denkt, ist egoistisch und faul. Eine Bankrotterklärung des eigenen Charakters wie ich meine. Für solche Menschen scheint der bisherige Grundbeitrag noch zu hoch zu sein.
Ebenfalls ist es nicht in Ordnung, wenn die Menschen, die dies alles finanzieren von Schmarotzern ausgebeutet und vom Staat teilweise schon über den Tisch gezogen werden. Auch ein Niedriglohnarbeiter hilft hier der Gesellschaft weiter. Jeder, der eigenverantwortlich seinen Lebensunterhalt bestreitet und damit auch an den Sozialbeiträgen beteiligt ist, finanziert dies alles. Es kann doch nicht richtig sein, dass jeder der etwas mehr verdient, und damit auch den Staat entsprechend unterstützt, als Melkkuh betrachtet wird. Mittlerweile muss man sich ja schon teilweise rechtfertigen, dass man sich einen kleinen Wohlstand erarbeitet hat.
Menschen, denen es temporär finanziell nicht gut geht, haben durchaus Unterstützung verdient. Menschen, die sich Mühe geben, sich wieder selbst finanzieren zu können, müssen bessere Unterstützung erhalten. Menschen, die arbeiten, haben ein Recht auf ein Stück Wohlstand und sollten weniger geschröpft werden. Es darf nicht sein, dass wir uns selbst eine Gesellschaft erziehen, welche dem Paradigma Fütter-Mich folgt und welche in ihrem Jammern auf hohem Niveau noch bestätigt wird. Eigenverantwortliches und solidarisches Denken, das ist es was wir brauchen.
Übrigens: Die oben erwähnte Familie gehört mit ihrem Hartz IV Grundbeitrag (ohne die anderen finanziellen Leistungen die sie noch erhält), weltweit zu den 12% Prozent der 'Reichen'. Besser gesagt, 88% der Weltbevölkerung ist ärmer.