Armut in Deutschland

Autor: Jörn Langefeld Sa, 25. September 2010 15:08

Der Begriff Armut wird in Deutschland sehr freigiebig verwendet. Armut im Sinn von keine Wohnung, keine Kleidung und keine Nahrung gibt es nicht. Jeder Mensch in Deutschland hat Anspruch auf Sozialleistungen, welche diese fundamentale Grundversorgung abdecken. Mehr noch, es werden den Bedürftigen darüber hinaus jede Menge weitere Hilfen gewährt und sie werden von vielen Kosten verschont, die andere ganz selbstverständlich zu tragen haben. Wenn man wirkliche Armut sehen möchte, dann muss man sich schon in Entwicklungsländer begeben, die weder ein soziales Netz noch genügend Ressourcen haben um eine Grundversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die "Armut" in Deutschland ist ein politisch verwandter Begriff und ist eine "Armut" auf hohem Niveau. Eine Armut also, die in Entwicklungsländern als Reichtum angesehen würde.

Ich habe heute einen Mann getroffen, der vor den Einkaufswagen an einem Supermarkt stand, mit einem Pappbecher in der Hand und der offenbar um Almosen bettelte. Ich habe ihn gefragt, ob er denn keine Sozialleistungen beziehen würde? Er antwortete: "Ja, aber nur Hartz IV." Ob er denn obdachlos wäre?,  fragte ich. "Nein, die Stadt würde ihm eine Wohnung bezahlen." Warum er denn nicht seine Zeit mit Arbeitssuche anstatt mit betteln verbringen würde?, wollte ich noch wissen. Er sagte darauf: "Wenn er arbeiten würde, dann würde man ihm ja die Unterstützung streichen." Ich ließ ihn stehen.

Es sei noch angemerkt, dass dem Mann diese Antworten in keiner Weise peinlich waren und er offensichtlich der Meinung war, sein Verhalten wäre seiner Situation angemessen. Ich hingegen habe mich geärgert. Geärgert deshalb, weil dieser Mann offensichtlich weder behindert, noch sonstwie in seiner Möglichkeit zu arbeiten eingeschränkt war. Zumindest soweit ich dass beurteilen konnte. Es zeigt aber, dass etwas in unserem Sozialsystem vollkommen schief läuft. Dieser Mann, der von den Steuergeldern seiner Mitbürger lebt, ist nicht bereit, sich Arbeit zu suchen, weil ihm dann die gewährten Sozialleistungen gekürzt werden. Dass Selbstverständnis mit dem er dieses äußerte, hat mich schockiert und in meiner Auffassung bestätigt, dass ich niemanden in Deutschland auch nur einen Cent in seinen Pappbecher werfen werde, damit er seine Faulheit auf Staatskosten noch besser ausleben kann.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Selbstverständlich muss Bedürftigen durch unsere Solidargemeinschaft geholfen werden. Es darf aber doch nicht so sein, dass sich Menschen in diesem sozialen Netz, quasi auf Dauer, häuslich einrichten. Genau dies geschieht aber derzeit in unserer Gesellschaft. Eine ständig wachsende Unterschicht, für die wir alle immer mehr Zahlungen leisten müssen, ist die Folge. Es wird in diesem Zusammenhang viel von gerechter Verteilung geredet. Ist es denn gerecht, wenn die einen zur Arbeit gehen, Steuern zahlen müssen und damit diejenigen, die nicht arbeiten wollen, unterstützen müssen? Nach Auffassung der Linken, Grünen, SPD und Teilen der CDU gibt es diese Menschen, die nicht arbeiten wollen, ja nur in ganz geringem Umfang. Ich behaupte jedoch, dass leistungsfeindliche Sozialsystem, dass jeden Anreiz verhindert, den eigenen Hintern einmal in Bewegung zu setzen und selber etwas für sein Einkommen zu leisten, führt dazu, dass unsere Unterschicht und damit unsere Sozialausgaben ständig wachsen. Das vielfach, insbesondere von den Linken geforderte leistungsfreie Grundeinkommen, gibt es doch schon längst. Wenn wir dort nicht gegensteuern, werden diejenigen, die arbeiten und Steuern zahlen, die Dummen sein. Schon jetzt stellt sich für viele Arbeitnehmer die Frage, warum sie eigentlich arbeiten gehen sollen. Ein Alleinverdiener in einer vierköpficgen Familie muss schon mehr als 1.727,00 € netto nach Hause bringen, um mehr als die gleiche Personengruppe zur Verfügung zu haben, die keinerlei Leistung erbringt und von Hartz IV lebt.  

In einem bin ich mir sicher. In Deutschland muss niemand auf der Straße betteln gehen.

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