Merkel verteidigt blutigen Afghanistan-Einsatz

Autor: Jörn Langefeld Do, 22. April 2010 14:51

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Bundeswehreinsatz in Afghanistan trotz der steigenden Zahl toter deutscher Soldaten verteidigt. Sie forderte in einer Regierungserklärung ein klares Bekenntnis und mehr Rückendeckung für die Soldaten. Innerhalb von zwei Wochen waren in Afghanistan sieben Bundeswehrsoldaten getötet worden. Merkel sprach den Angehörigen, Freunden und Kameraden ihr Mitgefühl aus. «Alle Soldaten, die in Afghanistan Dienst tun, verdienen unsere Solidarität und unser Mitgefühl.»

Kommentar von Jörn Langefeld:

Alles richtig, was unsere erste Dame im Staat in ihrer Regierungserklärung über den Bundeswehreinsatz sagt. Aus internationaler Sicht und auch im Hinblick auf deutsche Interessen in Sachen Terrorismusbekämpfung erscheint die Beteiligung Deutschlands notwendig. Durch Bildung und Ausbildung Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten ist ebenfalls ein hehres Ziel, welches wohl niemand in Abrede stellen kann. Dass unsere Soldaten für diese Verteidigung deutscher Interessen ihr Leben lassen, verdient meines Erachtens mehr als die geforderte "Rückendeckung". Es verdient den Respekt und die Unterstützung aller Deutschen.

Berechtigterweise vermisst die Öffentlichkeit jedoch klare Zielvorgaben und Aussagen seitens der Politik. Was die Bundeswehr genau in Afghanistan für Aufgaben hat, welche Strategie verfolgt wird, wird oft nur angerissen, ohne dass sich jemand festlegt. Das Mandat erscheint schwammig und ohne wirkliche Perspektive. Natürlich ist es wichtig, daß die Sicherheitskräfte in Afghanistan eine solide Ausbildung erhalten. Ob diese danach in der Lage sein werden, die Sicherheit in diesem Land zu gewährleisten, erscheint jedoch angesichts der schlechten Bezahlung und der überall herrschenden Korruption mehr als fraglich. Meines Erachtens ist weder kurz- noch mittelfristig zu verantworten, daß die Bundeswehr abzieht.

Es muss jedoch auch die Frage erlaubt sein, wie die Bundesregierung sich bezüglich des Drogenanbaus in diesem Land positioniert. Es kann nicht sein, daß wir als Rechtsstaat, wenn unsere Soldaten ihr Leben inmitten blühender Mohnfelder riskieren, dort tatenlos zusehen.

Zu einem klaren Mandat gehört auch, daß die Macht örtlicher Warlords und Drogenbarone zerschlagen wird, die durch die Drogengeschäfte ihre Privatarmee und ihre Waffen finanzieren. Sicherlich sind auch Regierungskreise in Afghanistan dort involviert.

Es können selbstverständlich an ein solches Land keine westlichen Maßstäbe angelegt werden, trotzdem kann es kein nebeneinander einer internationalen Hilfstruppe mit Kriminellen geben. Dabei ist mir persönlich egal, ob angebliche Sachzwänge irgend welche faulen Kompromisse notwendig erscheinen lassen.

Seitdem die internationale Schutztruppe in Afghanistan stationiert ist, wird mehr Opium geerntet als je zuvor. Alle verantwortlichen Politiker sollten sich deshalb bewusst sein, daß sie gegenüber den Angehörigen unserer gefallenen Soldaten und dem deutschen Volk Rechenschaft ablegen müssen, wofür diese Männer und Frauen gestorben sind.  

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Kategorien: Bundespolitik

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