Sarrazin Held oder Hetzer?

Autor: Jörn Langefeld Mi, 01. September 2010 15:11

Wer die Diskussion um Thilo Sarrazin, dem Bundesbankvorstandsmitglied und SPD Politiker, in den letzten Monaten und vor allem in den letzten Tagen, verfolgt hat, der kann nur staunen. Die Presse, vor allem die linksorientierte, hat offensichtlich zur Hetzjagd gegen Sarrazin aufgerufen und sieht sich nunmehr mit dem Problem konfrontiert, dass es nicht so einfach ist, die Menschen in Deutschland durch journalistische Stimmungsmache auf Kurs zu bringen. Was bei Westerwelle noch hervorragend während des letzten Wahlkampfes in NRW gelungen ist, will diesmal einfach nicht funktionieren. Die Mehrheit der Deutschen stimmt der Analyse von Sarrazin zu. Zugegeben, es sind teilweise kontroverse und auch provokante Thesen, die dort vertreten werden. Sarrazin gelingt es aber offensichtlich, einen Nerv zu treffen. Mit einer fast schon lethargischen Gelassenheit stellt er sich seinen Kritikern. So zuletzt in der ARD Sendung von Kurt Beckmann. Wie zu erwarten, wurde Herr Sarrazin dort nur Kritikern seiner Thesen gegenüber gestellt. Dies garniert mit Beiträgen von ausgewählten  "Fachleuten", die dort ebenfalls ihren negativen Senf zu seinem neu erschienenen Buch "Deutschland schafft sich ab" zugeben durften. Einen Befürworter seiner Thesen hat man natürlich nicht eingeladen. Soviel zur Fairniss im deutschen öffentlich rechtlichen Fernsehen. Trotz dieses massiven Übergewichts an Kritikern, hat sich Sarrazin erstaunlich gut behauptet. Insbesondere konnte die offensichtlich auf Krawall gebürstete Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Frau Renate Künast,  Herrn Sarrazin nicht aus der Reserve locken. Im wesentlichen gab sie ihre üblichen grünen Allgemeinplätze von sich, ohne sich inhaltlich mit den Thesen auseinander zu setzen. Ihr kläglicher Versuch, Sarrazin als Spalter darzustellen, der nur Probleme anspricht aber keine Lösungen anbietet, ist wohl daran gescheitert, dass sie sich letztendlich nicht ernsthaft gegen die von Sarrazin behaupteten Zahlenwerke zur Wehr setzten konnte. Dies zeugt nicht gerade von Kompetenz und Vorbereitung. Die Thesen Sarrazins passen einfach nicht in das verquere Weltbild von Frau Künast und ihrer Partei, in dem die Probleme der Migranten nur durch die deutsche verfehlte Integrationspolitik verursacht wierden. Herr Sarrazin hat in diesem Gespräch deutlich gemacht, dass es sehr wohl eine Frage der Herkunft und Kultur (auch der hier gelebten) ist, wie integrationsfähig bestimmte Bevölkerungsgruppen, die hier einwandern, sind. Es ist eben Fakt, dass die Integration von Migranten aus muslimischen Ländern nicht in dem Maße stattfindet, in der die Integration von Migranten z.B. aus Osteuropa oder Asien funktioniert. Da mag die Integrationsministerin der CDU Aygül Özkan sich meinetwegen persönlich beleidigt fühlen, wenn sich Herr Sarrazin erdreistet, eine Bevölkerungsgruppe zu benennen, der sie selber angehört. Inhaltlich konnte sie aber nichts gegen die Thesen anführen. So endete die als Inquisitionssitzung geplante Veranstaltung mit einem klaren Punktesieg für Sarrazin und dessen neues Buch. (Hab ich gerade bestellt, man will sich schließlich nicht vorwerfen lassen, man habe es nicht gelesen). Jedenfalls war dies eine gelungene Veranstaltung des deutschen Fernsehens zur Auflagensteigerung.

Meiner Meinung nach ist es richtig, dass die bestehenden Probleme erst einmal erkannt und bekannt werden, bevor man sich an deren Lösung machen kann. Insofern werfe ich Sarrazin überhaupt nicht vor, dass er nicht direkt ein Lösungsmodell präsentiert. Die Forderung von Künast sich mit der Lösung von Integrationsproblemen zu befassen, obwohl sie offensichtlich die bestehenden Probleme nicht wahrnimmt, zeugt von der typisch Grünen Ignoranz nämlich für alles eine Lösung parat zu haben, auch wenn das Problem noch gar nicht richtig erfasst wurde. Halt typisch blinder Aktionismus. Gleiches gilt auch für den Vorwurf der Spaltung. Sie wirft Srrazin vor, er würde die Gesellschaft durch seine Äußerungen spalten. Frau Künast hat jedoch nicht begriffen, dass diese Spaltung bereits stattgefunden hat, in den Stadteilen der Großstadte und Köpfen der Menschen sowieso. Dies ist die Aufgabe vor der wir stehen, nämlich diese bereits stattfindende Spaltung unserer Gesellschaft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen rückgängig zu machen.    

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Kategorien: Bundespolitik | Kommunalpolitik | Landespolitik

Kommentare

02.09.2010 13:58:29 #

Herr Langefeld,
Sie haben recht, zumindest mit der Einschätzung des sogenannten unabhängigen Journalismus. Auch die politische "Klasse" merkt, dass sie alles seit langen Jahren schön redet und dass Statistiken ,wo auch immer her, nicht reichen. Herr Sarazin aalt sich in seiner ungeahnten Berühmtheit und lebt von dem Gedanken einer 80%igen Zustimmung. Und die Talkshows helfen ihm kräftig dabei.
In kleinen Kreisen werden wir dennoch an der Integration aller Menschen in Deutschland weiter arbeiten, also weitermachen wie bisher?!

Braks | Antwort

06.09.2010 14:28:35 #

Jahrelang wurden unangenehme Themen unter dem Mäntelchen der sogenannten Political Correctness versteckt. Statt Probleme aufzudecken oder die 'heißen' Themen, welche die Bürger interessieren mal anzupacken, mochte niemand darüber sprechen - seien es die Medien oder die Politik. Und nun kommt jemand daher und bricht dieses Tabu. Und die ersten die schreien sind zum einen die, die sich ertappt fühlen und zum anderen die, die Probleme lieber totschweigen, statt sich ihnen zu stellen.

Das erste was mir bei Sarrazin eingefallen ist: Die Wahrheit ist eben manchmal unbequem. Sicher hätte man diese nett verpacken und auch politisch korrekt vortragen können. Nur - dann hätte es wieder niemanden interessiert. Ich vermute, Herr Sarrazin hat sein Ziel erreicht: Er hat provoziert und Deutschland spricht über die Themen, sowohl die eine, als auch die andere Seite. Menschen die sich von Sarrazin distanzieren, ihm jedoch gleichzeitig beipflichten und Diskussions-/Handlungsbedarf sehen gibt es genug.

Statt nun zum Kreuzzug gegen Sarrazin aufzurufen sollte man diese Energie lieber in die Lösung der angesprochenen (und tatsächlich existenten) Probleme stecken. Dann werden auch einiges Tages solche Bücher wie das von Herrn Sarrazin obsolet. Wäre also durchaus auch ein Überzeugungsargument für die Wir-Sind-Immer-Dagegen Gruppe.

Peter Wagner | Antwort

06.09.2010 19:48:22 #

Wenn wir denn wirklich ein Einwanderungsland sein wollen, wie uns dies vor allem die Grünen immer wieder vorbeten, dann sollten wir uns auch wie eines verhalten. Das bedeutet konkret, dass wir nur diejenigen einwandern lassen, die wir auch gebrauchen können. Also Fachkräfte mit guter Ausbildung. Diese integrieren sich schon alleine dadurch, dass sie hier arbeiten. Zu guten Einwanderungskriterien gehört selbstverständlich auch ein Nachweis guter Sprachkenntnisse wie in jedem anderen Land auch in das man einwandern möchte. Dazu gehört auch ein Bekenntnis zu unserer Verfassung und unseren Gesetzen. Eine Zuwanderung allein in unser Sozialsystem muss verhindert werden.

JoernLangefeld | Antwort

07.09.2010 10:11:40 #

Und wie das geht, machen uns einige Länder bereits vor. Beispiele:

Neuseeland: Absolute Grundlage ist die Beherrschung der offiziellen Amtssprache Englisch - das muss jeder können. Ein weiteres Kriterium ist ein geregeltes Einkommen oder ein fester Arbeitsplatz. Praktisch gesehen, haben nur Fachkräfte diese Möglichkeit.

Schweiz: Hier muss man einen festen Arbeitsvertrag haben oder glaubhaft versichern können, dass man für seinen Lebensunterhalt selbst aufkommen kann. Bedeutet praktisch, dass nur Fachkräfte und Reiche diese Möglichkeit haben. Dies trifft nur auf EU-Bürger zu, an anderen scheint man kein großes Interesse zu haben.

USA: Investoren die Arbeitsplätze schaffen und mindestens 1 Million US-Dollar mitbringen werden bevorzugt. Mit einem vorhandenen Arbeitsvertrag für einen hochqualifizierten Job geht es auch.

Australien: Neben einem Englischtest den man ablegen muss, muss man eine Ausbildung haben, die gleichwertig mit der in Australien ist, dazu noch mindestens 5 Jahre Berufserfahrung. Und zwar in einem Beruf, der in Australien gesucht ist. Und älter als 45 darf man auch nicht sein.

Das sind nur einige Beispiele aber es ist trotzdem sehr schön erkennbar, welches Ziel diese Länder verfolgen: Nur die Einwanderung von Menschen zulassen, die dem Land dienlich sein können. Verständlich, denn diese Länder wollen sich verbessern und nicht verschlechtern. Dazu findet eine recht strenge Selektion statt, welche nicht nur toleriert, sondern selbstverständlich und auch gefordert ist.

Peter Wagner | Antwort

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